Alleinerziehende in der Corona-Pandemie: Vielfach ungesehen in ihrer Mehrbelastung
Alleinerziehende in der Corona-Zeit: Sie hatten viel mehr Arbeit und Belastung. Das wurde oft nicht gesehen.Berlin, 21.9.2026. Für das Fachgespräch „Familie, Care und häusliche Belastung “ der AG 4 der Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“ des Deutschen Bundestages hat der VAMV eine weitere Stellungnahme zur Situation von Alleinerziehenden in der Corona-Zeit veröffentlicht.
Alleinerziehende sind überwiegend Frauen und tragen im Vergleich zu anderen Familienformen eine spezifische Mehrbelastung, da sie im Alltag Kinder erziehen, Haushalt und Beruf allein bewältigen müssen. Die Coronapandemie hat diese Belastungen noch deutlich verschärft: Lockdowns, das Einschränken von sozialen Kontakten, Schul- und Kitaschließungen haben die alltäglichen Herausforderungen und Existenzsorgen von Alleinerziehenden weiter potenziert. Alleinerziehende leben häufiger in beengten Wohnverhältnissen als Paarfamilien, auch gesperrte Spielplätze haben sie hart getroffen.
Die Belange von Einelternfamilien sind allerdings bei der Ausgestaltung von Infektionsschutzmaßnahmen und Coronahilfen vielfach durchs Raster gefallen: Alleinerziehende waren anfangs von der Notbetreuung ausgeschlossen, obwohl Kinderbetreuung für sie existenziell ist. Kontaktbeschränkungen führten zum Wegfall von informellen Unterstützungsnetzwerken, die für Alleinerziehende im Alltag von zentraler Bedeutung sind und verstärkten soziale Isolation und Einsamkeit. Die Entschädigungen für Verdienstausfälle waren zu gering, um die Existenz von Familien mit geringen Einkommen abzusichern. Der Kinderbonus für Familien war für Alleinerziehende eine große Enttäuschung: Trotz voller Mehrbelastung haben sie nur den halben Bonus erhalten, da die andere Hälfte den Kindesunterhalt reduziert hat.
Eine Lehre aus der Coronazeit sollte sein, dass die Politik mit Blick auf mögliche künftige Pandemien vorbeugend Konzepte entwickelt, um zu vermeiden, dass durchaus notwendige Pandemiemaßnahmen strukturelle Benachteiligungen und soziale Ungleichheiten verschärfen. Dafür ist es unerlässlich, die Lebensrealitäten von vulnerablen Familien wie Alleinerziehende zu kennen und spezifische Belastungen aufzufangen: Sollten Kita- und Schulschließungen wieder unvermeidbar sein, müssen Alleinerziehende von Beginn an verlässlich und niedrigschwellig Zugang zur Notbetreuung erhalten. Finanzielle Kompensationen für Verdienstausfälle von Eltern wegen Einrichtungsschließungen müssen so durchdacht sein, dass sie auch Familien mit geringen Einkommen und insbesondere Alleinerziehende und ihre Kinder wirksam absichern. Das Verankern eines Krisen-Elterngeld ist dafür eine geeignete präventive Maßnahme
Die vollständige Stellungnahme steht unten als Download für Sie bereit.
Berlin, 21. September 2026. Die AG 4 der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages hatte ein Fachgespräch. Das Thema war: „Familie, Sorge-Arbeit und Belastungen zu Hause“.
Die Enquete-Kommission beschäftigt sich mit der Corona-Pandemie. Sie untersucht, was während der Pandemie passiert ist. Außerdem soll sie daraus für zukünftige Pandemien lernen. Der VAMV hat dazu eine weitere Stellungnahme veröffentlicht. In der Stellungnahme geht es um die Situation von Alleinerziehenden während der Corona-Zeit.
Alleinerziehende sind meistens Frauen. Sie haben im Alltag besonders viele Aufgaben. Sie müssen ihre Kinder allein erziehen. Sie müssen den Haushalt allein machen. Und sie müssen oft gleichzeitig arbeiten.
Die Corona-Pandemie hat diese Belastungen noch größer gemacht. Es gab Lockdowns. Menschen durften sich weniger treffen. Schulen und Kitas waren geschlossen. Dadurch wurden die Probleme im Alltag größer. Auch die Angst um die eigene finanzielle Situation wurde stärker.
Alleinerziehende wohnen außerdem häufiger in kleinen Wohnungen als Familien mit zwei Eltern. Deshalb waren geschlossene Spielplätze für sie besonders schwierig. Bei den Regeln zum Schutz vor Corona und bei den Hilfen für Familien wurden Alleinerziehende oft nicht genug berücksichtigt.
Am Anfang durften manche alleinerziehende Eltern ihre Kinder nicht in die Notbetreuung bringen. Für Alleinerziehende ist eine Betreuung aber besonders wichtig. Sie müssen oft arbeiten und können die Betreuung nicht mit einem anderen Elternteil teilen. Durch die Kontaktbeschränkungen konnten sich viele Menschen nicht mehr gegenseitig helfen. Zum Beispiel konnten Großeltern, Freunde oder andere Familienmitglieder nicht mehr so unterstützen wie vorher. Das war für Alleinerziehende besonders schwierig. Viele fühlten sich deshalb allein und waren einsam.
Auch die finanzielle Unterstützung war für viele Familien nicht ausreichend. Besonders Familien mit wenig Geld konnten dadurch weiterhin Probleme haben. Auch der Kinderbonus war für viele Alleinerziehende enttäuschend. Alleinerziehende hatten durch Corona besonders viele zusätzliche Belastungen. Trotzdem bekamen sie nicht den ganzen Bonus. Ein Teil des Bonus wurde mit dem Kindesunterhalt verrechnet.
Aus der Corona-Pandemie kann die Politik lernen. Für zukünftige Pandemien sollten frühzeitig Pläne gemacht werden. Die notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor einer Krankheit dürfen Familien nicht zusätzlich benachteiligen. Dafür muss die Politik wissen, wie Alleinerziehende und andere Familien mit besonderen Belastungen leben. Wenn Kitas und Schulen wieder geschlossen werden müssen, sollten Alleinerziehende von Anfang an zuverlässig Zugang zur Notbetreuung bekommen. Der Zugang sollte einfach und ohne große Hürden möglich sein. Auch bei Geldhilfen muss darauf geachtet werden, dass Familien mit wenig Einkommen ausreichend unterstützt werden. Das gilt besonders für Alleinerziehende und ihre Kinder. Eine Möglichkeit dafür ist ein Krisen-Elterngeld. Eltern könnten dann in einer Krise finanzielle Unterstützung bekommen, wenn sie wegen geschlossener Kitas oder Schulen nicht arbeiten können.